Kurzzeittherapie

Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie

Meine Arbeit orientiert sich an der sog. lösungsfokussierten Kurzzeittherapie, wie sie in den 80er und 90er Jahren von Steve de Shazer, Insoo Kim Berg, aber auch von Milton Erickson und Paul Watzlawick entwickelt wurde.
Der Name verweist schon auf zwei wesentliche Merkmale:
Kurz, d.h., die Therapie ist kurz im Sinne einer begrenzen Anzahl von Therapiesitzungen von zehn bis 25 Sitzungen.
Lösungsfokussiert: die „positiven Unterschiede“ zu erkennen und zu verstärken. Also das, was jetzt bereits funktioniert und passt und von dem gewünscht wird, es möge in Zukunft in noch stärkerem Maße so sein.

Es wird also nicht auf Probleme und deren Entstehung fokussiert, sondern auf die Ziele und Ressourcen der Klienten, auf deren Wünsche und Entwicklungsrichtungen und darauf, wann es bereits jetzt schon Ausnahmen vom Problem- oder Symptommuster gibt, seien sie auch noch so klein.
Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Orientierung an „Einfachheit“ (kiss: keep ist simple and stupid); komplexe psycho-soziale Systeme lassen sich nicht einfach verstehen und modellieren, für eine gewünschte Entwicklung und Problemlösung ist das aber auch gar nicht erforderlich.
Ändere ich in einem komplexen System eine Kleinigkeit, muss das System darauf „antworten“, ist die Kleinigkeit zu klein, wird das System zum Gewohnten zurückkehren, macht die Kleinigkeit aber einen Unterschied, der wirklich ein Unterschied bedeutet, findet das System über die Antwort eine neue Organisation. Ist diese die gewünschte, weiter so; wenn nicht, wird erneut eine Neuerung eingeführt.

Hier ein Zitat von Wikipedia:
positive Veränderungen von komplexen Situationen geschehen in kleinen Schritten;
wenig Information genügt für die Wahl der nächsten Schritte;
„Was macht jetzt schon den Unterschied zwischen besser/schlechter aus?“ entscheidet und nicht „wie ist es – wie kam es dazu?“;
das konkrete Handeln in kleinen Schritten verdrängt das „theoretisch umfassend Verstehenwollen“;
Unterstellung: Alle Beteiligten sind interessiert an positiven Veränderungen.
„Repariere nicht, was nicht kaputt ist!“
„Finde heraus, was gut funktioniert und passt – und tu mehr davon!“
„Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug funktioniert und passt – dann höre damit auf und versuche etwas anderes!“
Lösungen statt Probleme: „Nicht das Problemverständnis vertiefen, sondern erkunden, wie es ist, wenn es besser ist“.
Interaktion statt isolierter Individualität: „Unser Verhalten entwickelt sich in der Interaktion mit anderen. In der Lösungsfokussierten Arbeit wird nicht über Meinungen, Glaubenssätze oder Werte diskutiert, sondern über beobachtbares Handeln“.
Beachte und nutze das, was da ist – nicht das Fehlende: „Nicht die Lücke zwischen ‚Ist‘ und ‚Soll‘ ermitteln, sondern das, was – wenn auch nur selten – heute bereits etwas besser ist“.
Die Chancen im Gestern, Heute und Morgen sehen: „Chancen in der Zukunft und im Heute zu überlegen, ist ein vertrauter Gedanke. Eher unüblich ist es, auch im ‚Gestern‘ bewusst das zu erkunden, was sich früher bereits als Chance zeigte – um auch das zu nutzen“.
Einfache Sprache: „Statt langer, komplizierter, abstrakter und beeindruckend klingender Worte einfache Alltagsworte benutzen“.
Jede Situation als speziell sehen – keine schlecht passende allgemeine Theorie darüber stülpen: „Offen und neugierig sich jedes Mal von neuem positiv überraschen lassen“.

Leider erlaubt unser Gesundheitssytem nicht eine konsequente Anwendung dieser Ideen; denn hier ist Psychotherapie definiert als: eine heilkundliche Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von psychischen Störungen mit Krankheitswert. D.h., wer immer im Rahmen einer krankenkassenfinanzierten Behandlung Psychotherapie in Anspruch nimmt, muss sich einer Diagnose, also einer seelischen Krankheitszuschreibung, unterwerfen. Auf Grund eines vom medizinischen her kommenden Verständnisses muss vor einer Behandlung immer die Ursachenklärung und die Diagnose stehen.
Dies ist in der lösungsfokussierten Arbeit, wie oben beschrieben, fundamental anders. Das bedeutet auch, dass viele sehr wirksame Vorgehensweisen sich im Rahmen einer krankenkassenfinanzierten Therapie nicht anwenden lassen bzw. angewendet werden dürfen. Bei einer selbstfinanzierten Therapie ist das anders, dies eine eine freie Übereinkunft, wo es zudem den Vorteil gibt, dass es keiner Diagnose bedarf, die einer Behörde wie der Krankenkasse, der Beihilfestelle, dem Arbeitsamt oder auch einer Versicherung (z.B. einer Lebensversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung, die ja eine Gesundheitsprüfung machen) mitgeteilt und somit aktenkundig wird. Einzelne Aspekte jedoch finden auch in einer positiv ausgerichteten Verhaltenstherapie Anwendung.